Interview mit Thomas Göppel, Pastoralreferent, Referent für die südlichen Dekanate

Haben Sie gerade kurz Zeit für ein Gespräch oder sind Sie in Hektik?
Klar habe ich die Zeit für ein Gespräch, oder besser gesagt: Ich nehme mir diese Zeit, weil es mir wichtig ist. Dann habe ich auch die Zeit dafür und habe weder Stress noch Hektik.

 

Warum haben so viele Menschen immer weniger Zeit – trotz all der Zeitsparhelfer wie Internet und Handy?
Das ist schon paradox: Wir haben heute definitiv mehr Zeit zur Verfügung als alle Generationen vor uns. Der Zeitexperte Jörg Knoblauch spricht von einem „Meer an Zeit“, in dem wir schwimmen – könnten. Trotzdem  leiden viele Menschen heute unter notorischer Zeitnot. Woran liegt das? Dem „Meer an  Zeit“  steht heute ein „Meer an Angeboten“ gegenüber. Die Welt von heute bietet atemberaubend viel, ein Ozean an Möglichkeiten, Veranstaltungen, Vergnügungen etc. Und wir wollen dabei sein. Dafür packen wir unglaublich viel in einen Tag, in eine Woche, in unsere  Freizeit. Schließlich wollen wir ja nichts versäumen, wollen mithalten und mitreden können, wollen „in“ sein. Doch der Preis, den wir dafür bezahlen, ist hoch: Zeitnot, Hektik, Stress, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Burnout, Depressionen, gescheiterte Beziehungen usw. Und glücklicher als die früheren Generationen sind wir laut repräsentativen Umfragen auch nicht. Also: Weniger ist mehr, oder besser gesagt: das Wesentliche ist mehr.

Kann man eine richtige Zeiteinteilung lernen?
Selbstverständlich können wir die richtige Zeiteinteilung lernen, sonst wären ja alle Zeitmanagement-Seminare umsonst. Das persönliche Zeitmanagement wird in Zukunft immer wichtiger werden, wenn wir nicht in dem bereits angesprochenen „Meer an Angeboten“ ertrinken wollen. Den Tag und die Woche planen, strukturieren, vor allem Prioritäten setzen und Freiräume lassen, das ist sinnvolle Zeiteinteilung. Was ist mir wirklich wichtig und wesentlich? Was kann und sollte ich getrost weglassen oder an andere delegieren? Und siehe da: Plötzlich habe ich ein „Meer an Zeit“. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Zeit-Seminar im November.

Ist Ihnen eigentlich manchmal langweilig, haben also zu viel Zeit?
Ich erinnere mich, dass es mir als Kind immer wieder einmal langweilig war. Das ist für mich jetzt nicht mehr nachvollziehbar – Gott sei Dank. Langeweile bedeutet, dass ich mit mir, meiner Zeit und mit dem, was die Welt alles so anbietet, nichts anfangen kann. Nein, ich habe keine Langeweile mehr. Es ist eher so, dass ich vieles, was ich auch noch gerne machen möchte, streichen und weglassen muss, damit ich gut über die Runden komme.

Was würden Sie tun, wenn Sie täglich eine Stunde mehr Zeit hätten?
Das wäre natürlich klasse. Diese eine Stunde mehr würde ich auf jeden Fall für  meine Frau, für mich, für Freundschaften und die schönen Dinge des Lebens wie lesen, Musik hören, Erholung, Natur genießen etc. reservieren.

Interview: Peter Hummel

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